MOMLIFE // Aus der Zauber . Das Christkind gibt es nicht mehr.

Aus der Zauber, adé Christkind

Vorab gleich mal eine Warnung: schwache, weiche Mamaherzen könnten jetzt eventuell leicht knacksen. Mein Mamaherz hatte es nämlich diese Woche so gar nicht leicht und wenn ihr nur halb so emotional seid wie ich, wird es gleich ganz hart. Wir haben nämlich zu Beginn dieser Woche ein Stück Magie verloren. Holt schon mal die Taschentücher raus – ich habe sie beim Schreiben dieses Posts gebraucht. Doch erstmal von Anfang an.

Montag, 6:15. Mit Morgenpony betrete ich völlig verschlafen die Küche, in der E. bereits auf mich wartet. Wie jedes Jahr hatten wir am Vorabend den Wunschzettel ans Christkind wieder auf den Balkon gelegt, dieses Mal mit Äpfeln aus der Obstschale beschwert. „Damit das Christkind auch was zu essen hat“, meinten die Mädchen. Gute Idee. Sehr rücksichtsvoll, meinte Herr bunt. Wie jedes Jahr haben Team Mom & Dad – the Christmas Edition – wieder spät nachts den Wunschzettel völlig routiniert reingeholt, eindeutige Christkind-Spuren in Form von Glitzer und Federn gestreut, eine kleine Nascherei anstatt der Äpfel hingelegt und sich dann zufrieden schlafen gelegt. Alles wie immer – mit einem fatalen Fehler: Herr bunt hat die beiden Äpfel schlaftrunken wieder zurück in die Obstschale gelegt. Vor ein paar Jahren kein Grund zur Sorge und auch unsere 4-Jährige hätte das nicht weiter irritiert. Für dieses große, fast 8-jährige Mädchen in meiner Küche waren die Äpfel allerdings das letzte Puzzleteilchen. Mit ernster Miene, die Hände entschlossen in die Hüften gestemmt, baute sich mein Kind vor mir auf und mein todmüdes 6:15 Ich hörte wie in Zeitlupe: „Maaamaaaa?! Das hast DU doch da hingelegt, stimmts? Warum bitte, sind denn in der Obstschale jetzt wieder mehr Äpfel, hä? Hääää?!!“ Scheiße. Ja, das darf man sagen, wenn es um den Abschied einer kleinen magischen Ära geht. Wenn du abends mit Weihnachtszaubervorfreude schlafen gegangen bist und du morgens um 6:15 das Christkind begraben musst. Scheiße. Es mag vielleicht lächerlich klingen, aber ich war an diesem Montag wirklich traurig. Stolz auch, ja natürlich. Meine Tochter ist groß, schlau und zweifelsohne alt genug, um nicht mehr ans Christkind zu glauben. Sie war soweit. Wir hatten „das Gespräch“. Das Gespräch, indem sie tausend Fragen fragt, sich freut, uns aufgedeckt zu haben, mir erklärt, dass in der Schule viele behaupten, das ist alles erfunden. Das Gespräch, bei dem ich merke, sie wollte ganz lange dran glauben, doch jetzt ist der Zauber vorbei. Sie war soweit. Ich aber noch nicht.

Es gibt ein paar Dinge, auf die ich mich jedes Jahr um diese Zeit wahnsinnig freue. Der Vorweihnachtszauber mit unseren Kindern zum Beispiel. Dass dieser Zauber mal endet bzw. sich verändert, ist klar. Die Kinder werden älter und irgendwann muss man sich leise von einem Teil der Magie verabschieden. Wenn es dann passiert, ist das trotzdem ein kleiner Schock fürs Mamaherz. Klar, E. ist mit ihren fast Acht Jahren ohnehin vergleichsweise spät dran, hat Gott sei Dank ganz lange an der Magie festgehalten und wollte entgegen vieler ihrer Schulfreunde auch noch ganz fest dran glauben. Dieses Weihnachten wird anders. Nicht schlechter, sondern anders. Neu ist zum Beispiel, dass Team Mom & Dad – the Christmas Edition – jetzt einen kleinen Weihnachtself dazubekommen haben. E. ist auch ein bisschen stolz darauf, dass sie uns heuer helfen darf, für ihre kleine Schwester den Zauber aufrechtzuerhalten und dass sie jetzt zur eingeweihten Truppe gehört. Das ist schön. Trotzdem hat dieser kleine Meilenstein diese Woche in mir etwas bewegt. Noch mehr als sonst ist mir bewusst geworden, wie wahnsinnig schnell die Zeit vergeht und wie plötzlich meine kleinen, putzigen Kinder groß werden.

Das Christkind zum ersten Mal gedanklich zu begraben, hat mich tatsächlich mehr mitgenommen, als gedacht. Meine kleine, heile Weihnachtswelt im Umbruch? Das schreit nach schreien. Und Panik. Panischem Schreien. Ich brauche meine kleine heile Weihnachtswelt. Wenn das Leben rundherum vom Stress verschlungen wird, wenn es auf der Welt so viele schreckliche Dinge gibt und der Hass die Menschen in den Wahnsinn treibt, dann brauche ich meine kleine magische Fluchtwelt, wo die Realität kurz Pause hat und die Familie einfach mal durchschnaufen kann. Darauf freue ich mich jedes Jahr. Ab jetzt wird es anders. Nicht schlechter, nur anders, sage ich mir und die Weihnachtsidylletante in mir ist sofort fest entschlossen, den Zauber ganz fest zu halten. Dieses Jahr zum ersten mal im Trio für unsere Mini bunt aber auch für uns alle. Denn auch wenn ich wahrscheinlich wiedermal auf diese Situation emotional überreagiere, weiß ich, dass jeder diesen Weihnachtszauber braucht. In welcher Form auch immer. Versteht mich nicht falsch, der Dezember ist bei uns jedes Jahr randvoll gepackt und nicht weniger stressig als sonst, ganz im Gegenteil. Doch diese Magie macht alles einfach schöner und gefühlt zumindest etwas entschleunigter.

Und so geht es für uns also heuer ein kleines bisschen anders in den Advent. Worauf ich mich schon richtig freue, ist, mit meiner großen Tochter gemeinsam am Weihnachtszauber zu basteln. Für ihre kleine Schwester. Für unsere kleine Familie.

2 Comments

  1. Sandra 17. November 2017

    Ohhhhhhhh mir kommen echt die Tränen ich musste an mich selbst denken!! Ich war auch so in dem Alter als ich erfuhr das das Christkind nicht existiert bzw das die Eltern die Geschenke bringen. Ich war so sauer das ich 3 Tage nichts mehr mit meinen Eltern redete.

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