MOMLIFE // Kann nicht, geht nicht.Von Motivationstiefs, echten Kack-Tagen und warum wir Mütter zusammenhalten sollten.

Motivational T-Shirt, Motherhood

Kann nicht, mag nicht, bäh. Unsere Kinder äußern täglich lautstark, wenn ihnen etwas nicht passt oder sie einfach null Bock auf was haben. Und wir Mamas? Kann nicht, geht eigentlich nicht. Mag nicht, geht auch nicht. Aber was machen wir Mamas, wenn’s uns reicht? Wenn es nicht mehr geht? Irgendwie finden wir immer wieder wieder irgendwo diesen letzten Rest Energie, der da noch im Unterbewusstsein rumlag. Muss so ein Naturding sein – so wie bei der Geburt, wenn du denkst, es geht nicht mehr und irgendwie schaffst du es doch, dieses Melonending durch die Zitronenöffnung zu pressen. Hallelujah! Also Energie dürften wir Mamas auf Reserve haben, so viel ist schon mal klar. Doch was ist, wenn die Reserven auch mal so richtig aufgebraucht sind und wir einfach mal eine Pause brauchen?

Unsere Motivationstiefs machen wir Mütter uns meistens mit uns selbst aus. Trotzdem gibt es sie, diese Phasen, die einen umhauen, einem die Energie komplett rauben und einfach irgendwie total bäh sind. Ja, sicher klar. Es gibt immer, i m m e r, Schönes auch an außerordentlich miesen Tagen aber manchmal machen es uns diese Tage schon ganz schön schwer, die kleinen schönen Mini-Momente zu erkennen oder gar genießen zu können. Wenn das Baby in Dauerschleife weint und du dir nichts mehr wünscht, als einfach mal 10 Minuten zu duschen. Okay 5. 5 Minuten wären auch echt okay. Wenn die Sache mit dem Stillen einfach nicht klappen will, obwohl die Hebamme überzeugt ist, jede kann stillen, sie muss es nur wollen und du nur denkst: warum kann ich mein Kind nicht ernähren? Doofe Urängste. Wenn das Trotzkind im Laden a l l e Kekspackungen einzeln aus dem Regal schmeißt und das schockiert den Kopf schüttelnde Publikum mit einer Mischung aus Mitleid und Mißgunst die offenbar überforderte Mutter mustert. Wenn dein Kind im Bus einen Tobsuchtsanfall bekommt, weil … warum eigentlich? Keine Ahnung. Die Blicke der Busgesellschaft sagen mehr als tausend Worte. Wenn dein Kind seit Monaten immer wieder von Erkältung zu Mittelohrentzündung und wieder zurück wandert, sich die ganze Familie in Dauerschleife gegenseitig ansteckt,  dein anderes Kind sich wiedermal total benachteiligt fühlt. Wenn du dieses kotzige Gefühl, dich ständig rechtfertigen zu müssen, weil du als Mutter arbeiten gehst, nicht mehr ertragen kannst. Wenn du vom schlechten Gewissen Bauchschmerzen kriegst, weil dein Fieberkind zu Hause bei Papa bleiben muss, weil Mama arbeiten geht. Wenn gefühlt täglich Zimmertüren knallen, ständig einer weint, spinnt oder herummotzt und du eigentlich nur noch sagen willst: Kann nicht, mag nicht, bäh. Kennt ihr oder? Ich auch. Ziemlich gut sogar. Denn so verschieden wie wir alle sind, so unterschiedlich wir unsere Kinder erziehen und welche Lebensumstände wir auch haben mögen – wir alle sind Mütter, die mit diesen Kotz-Tagen kämpfen. Die einen mehr, die anderen weniger und jede von uns hat ihre eigenen Krisen – egal wie perfekt alles von außen scheinen mag. Das Leben ist eben kein Ponyhof. Wusste schon Tante Erna. Das Leben ist nicht perfekt.

Motherhood Momlife Motivation

Stichwort perfekt: Neulich im Bus war da neben mir dieses Gespräch zweier Mütter über die „Sowieso von nebenan“, die es ja echt sowas von gut hat so zu Hause den ganzen Tag und mit Putzfrau. Der Mann verdient aber auch echt einen ordentlichen Batzen, gell? Tja, da kann man sich das schon leisten! Die „Sowieso von nebenan“ hat bestimmt ein sehr sauberes Haus und muss wahrscheinlich beim Einkaufen nicht überlegen, ob Bio zu teuer ist oder nicht. Sie hadert bestimmt nicht damit, dass nachhaltig supersexy aber auch superteuer ist und die hippen Kindersandalen aus fair gestreicheltem Öko-Superzeugsmaterial mit 80 Euro einfach nicht drin sind und das Kind aus den 30 Euro Günstigschuhen sowieso gleich wieder rausgewachsen ist. Vermutlich hat die „Sowieso von nebenan“ damit nicht zu kämpfen. Aber ich sag euch mal was: Die „Sowieso von nebenan“ ist vielleicht auch oft echt einsam zu Hause oder sehnt sich nach mehr Zeit mit ihrem Mann, der für den Batzen echt auch viel arbeiten muss und darum wenig zu Hause ist. Oder auch nicht. Vielleicht ist bei der „Sowieso von nebenan“ wirklich alles pipifein und sie ist die glücklichste Mutter der Welt. Wer weiß? Wen schert’s? Geht ja auch keinen was an. Trotzdem gibt es unter Müttern so oft Neid. Ich behaupte jetzt mal einfach, dieses Gefühl kommt ganz stark von Unzufriedenheit, zu viel Druck (selbst auferlegtem oder auch gesellschaftlichem Druck) und Überforderung. Denn wie soll man in Wahrheit der „Sowieso von nebenan“ überhaupt etwas neiden, wenn man im Grunde gar nicht hinter die perfekt geschnittene Gartenhecke sieht? Sie hat sie auch, die Kack-Tage. Da bin ich mir 100 % sicher. Vielleicht aus anderen Gründen, obwohl auch ihre Kinder toben, schreien, sind krank. Hmmm. Vielleicht hat sie’s doch nicht so viel leichter die „Sowieso von nebenan“ mit ihrem Batzen Geld, dem Traummann, der perfekten Gartenhecke und der Putzfrau.

Kack-Tage sind vielleicht das, was uns Mütter alle vereint. Bloß, dass die Gesellschaft wenig Verständnis dafür hat, wenn Mütter nicht mehr können – insbesondere dann, wenn sie doch eh hinter der perfekten Gartenhecke ihrer Putzfrau beim Putzen zusehen und dabei das schöne Leben genießen. Wie wäre es denn, wenn wir uns nicht gegenseitig das Wasser abgraben sondern uns lieber gegenseitig Mut machen, uns unterstützen und auch mal loben. Wer bitte sagt denn einer Mutter, dass sie extrem superspitzenmäßig ist und ihren Job richtig gut macht? Wer, wenn nicht wir. Die wir selbst oft genug im gleichen Boot nach Kack-Tag-Hausen sitzen. Wir Mamas müssen uns gegenseitig doch aufbauen, oder nicht? Indem wir uns eingestehen, wenn es mal nicht mehr geht, die Energie aufgebraucht ist und wir uns einem besonders miesen Tag geschlagen geben müssen. Indem wir uns gegenseitig aber auch zugestehen, dass das völlig okay ist, den Druck rausnehmen und endlich mal aufhören mit Wettbewerb, Vergleichen und dem ganzen Käse. Ich sag’s euch, das Leben wäre ein ganzes Stück leichter – nicht einfacher, nein – aber wir würden es uns leichter machen, wenn wir uns in Kack-Tag-Hausen gegenseitig öfter mal aus der Sch… ziehen würden. Damit meine ich nicht die beste Freundin, die das sowieso macht und die wir dafür lieben. Damit sind DIE Mütter gemeint. Die Gesellschaft, die zwei Mütter im Bus, die uns nicht kennen und trotzdem über uns urteilen.

Ich werde öfter gefragt, warum ich eigentlich auf Social Media bin. Supereasy Antwort: Weil es da nett ist. Meistens jedenfalls. Da kannst du deinen miesen Tag wildfremden (Mama-)Menschen zum Kaffee präsentieren und wirst total lieb aufgebaut. Neid oder Konkurrenz Fehlanzeige. Danke dafür! Wie würde das wohl aussehen, wenn wir diesen Community-Geist ins echte, wahre Leben tragen würden? Wenn neben dir im Bus so eine „überforderte“ Mutter mit ihrem nervigen Trotzkind kämpft und du nicht die Augen verdrehst sondern du sie in Ruhe lässt, weil sie grad keinen hat, dem sie ihren Kack-Tag zum Kaffee präsentieren kann und dafür aufgebaut wird? Das wäre ja mal nett.

Ihr seht schon, mein Kack-Tag-Barometer hat in der letzten Zeit etwas hoch ausgeschlagen (Herr bunt meinte sogar beim Korrekturlesen, ich solle auch mal über die Bedenklich hohe Anzahl an Fäkalwörtern in diesem Artikel nachdenken) und richtig geraten, die mit dem dauerkranken Kind – die bin ich. Ich war aber auch die mit dem Schreibaby, die ihr Kind nicht stillen konnte und dafür von den Profi-Stillerinnen ungläubig abgefrühstückt wurde. An Selbstzweifeln verzweifelte und von der Dusche tagträumte. Oder die mit dem Trotzkind im Supermarkt, dem Türengeknalle, dem 8-Jährigen Pre-Teen. Die Mama bin ich auch. Sind wir alle irgendwie. Willkommen im Boot nach Kack-Tag-Hausen und wieder zurück. Gemeinsam ist die Fahrt nicht ganz so doof.

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9 Comments

  1. Manuela 25. April 2018

    Liebe Lilly,
    wie aus der Seele gesprochen!! Vielen Dank für diesen absolut ehrlichen Einblick in dein Leben als mama.

    Liebe Grüße
    Manuela

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  2. LaurA 25. April 2018

    Willkommen in Kack-tag-Hausen … da musste ich echt lachen. Ich sag immer Schiietwettertage auch wenn wir in Frankfurt statt Hamburg wohnen. Danke für deine aufmunternden Worte. Wo bekomme ich das Shirt? Der nächste Kack-tag kommt bestimmt 🙂

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    • Lilly // stilles bunt 25. April 2018

      Liebe Laura,

      Ha, ja so ist es nunmal, gell? Ui das Shirt hab ich schon länger und mal bei dem englischen Pendant zu juniqe bestellt. Ich schau mal, ob ich es noch finde. Hab es auch mal bei den Mompicks hier auf dem Blog verlinkt.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  3. Julia 25. April 2018

    Liebe Lilly,
    Wenn die Zeiten wieder einfacher werden würd ich mal ein Buch andenken. Das ist so gut geschrieben und spricht aus der Seele! Ich les ihn supergerne, deinen Blog. Lg, Julia

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  4. Teresa 25. April 2018

    Ich find deinen Text absolut herrlich ehrlich! Ich Sitz auch gerade im Boot nach kack-tag-hausen, aber Gott sei dank, ist’s ja kein one-way-Ticket, sondern irgendwann fährt das Boot auch wieder raus aus kack-Tag-hausen!

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  5. ramona 25. April 2018

    super! danke fürs aussprechen!!!! toller artikel und meinetwegen kannst du ruhig ein paar mehr „kacks“ einbauen, denn manchmal ist alles einfach nur kacke! stell dir vor, ich bin am ostersonntag vor meiner mutter und meiner schwester in tränen ausgebrochen und am boden zusammengesackt obwohl ich mich doch so sehr zusammenreissen wollte. und meine eigene mutter sagte nur „du wirst doch jetzt ned weinen wegen zwei kleinkindern“.. na, nicht wegen denen aber wegen allem was mich abgesehen von meinen trotzenden, motzigen kleinkindern und dem schlafmangel noch in die knie zwingt. nämlich eine noch nicht fertig geputzte wohnung, das ungewaschene, zerzauste ich, ein ungedeckter tisch, vom essen brauch ich gar nicht anfangen und noch viel mehr unerledigte kacke, so ungefähr eine stunde vor dem eintreffen der gäste.. tja, sie ist zwar auch mama aber irgendwie scheint sie das ganze verkackte dran vergessen zu haben! und ich hab mich geschämt dafür, vor allem vor ihr! aber ich hab mich gesammelt und alles erledigt und mit ihrer hilfe dann fast rechtzeitig geschafft.. kann nicht, geht nicht oder? hut ab vor allen mamas. hut ab vor dem möglich machen des schier unmöglichen, das wir mamas am besten drauf haben 😉

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  6. Sandra 26. April 2018

    Das musste ja mal raus!! danke für den Artikel wenn ich einen blog hätte würde ich das auch schreiben! Ich bin auch total überfordert schlafe 3 stunden die nacht seit einem Jahr,den mein kleiner liebt das stillen immer noch!! Ich hab Großeltern die nicht auf die Kinder aufpassen wollen weil es ihnen zu anstrengend ist. Und leider ich beneide auch die Mama von nebenan die eine Putzfrau und ein Kindermädchen hat. Och fühl mich total ausgebrannt..!! Ich frag mich jeden Tag wo bloß die ganze Restkraft noch herkommt….. Wir sollten uns erlich gegenseitig mehr Unterstützen….!!!

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    • Olga 26. April 2018

      Danke!
      Die Nerven liegen blamk, seit drei Wochen ist hier Notstand,die Zwillinge bekommen Backenzähne,die Große mutiert zum augenrollenden besserwisser -Teenager,.Und dann ist mein Mann eine Woche krank und die Zwilllinge husten und schnoddern gleichzeitig und abwechselnd. Die Nächte verbringe ich meistens mit einem Kind auf dem sofa. Zeit mit meinem Mann? Was ist das? die Arbeit fragt, ob ich öfter arbeiten können kann, und die blöde Lack Erkältung hat mich auch erwischt. Ich heule während ich deinen Text lese.in den letzten zwei Wochen habe ich dafür gesorgt,dass es etwas zu essen gibt und die Kleidung einigermaßen sauber ist. An aufräumen und putzen gar nicht zu denken! Es herrscht Chaos bei uns,dem ich momentan nicht gewachsen bin.zum Glück kommt meine Liebe Freundin heute und bringt Suppe mit.

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