LIFE // Echt jetzt? Social Media vs. Real Life . Ehrliche Worte und ein Blick hinter die Blogger-Kulissen

Portrait, Blumen im Haar, Flowers,Hinter den Blogger-Kulissen

Wieviel „echt“ steckt eigentlich in Social Media? Steht die immer so da mit Blumen in den Haaren? Warum sieht ihr Kaffee immer so viel besser aus als meiner? Ihr Leben überhaupt. Wie aufregend, wie schön, wie heil diese Welt! Das muss ja toll sein, ein paar Bilder posten, bisschen Text dazu und dafür auch noch Geld bekommen! Und wo sind überhaupt ihre Kinder, wenn sie da so rumposiert? // Viele fragen sich, wieviel echtes Leben und echte Menschen eigentlich hinter Bloggern, Influencern und Social Media Persönlichkeiten wirklich steckt. Meine Gedanken zu diesem Thema, ein paar ehrliche Worte über Selbstzweifel und die schöne heile Social Media Welt – heute auf dem Blog.

Hä? Die fährt ein ganzes Wochenende für lau ins Familienhotel und muss überhaupt nix dafür machen? Wie ungerecht! Was? Schon wieder ein Geschenk? Oh Mann, die haben’s gut, die Blogger. Viele meiner „ArbeitskollegInnen“ kennen diese Aussagen, die entweder hinter vorgehaltener Hand oder auch ganz offen als Kommentar geäußert werden. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass sich viele fragen, was das eigentlich alles soll. Warum Instagram und Blogs überhaupt mit Werbung vollgeklatscht sein müssen. Nun zum einen: Blogger/Influencer ist ein Beruf, den es vor ein paar Jahren in dieser Form noch nicht gab. Dass Unternehmen neben klassischer Werbung auf Plakaten, in Magazinen, im TV oder online aber mittlerweile auch gerne mit dieser neuen Berufsgruppe zusammenarbeiten, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern auch notwendig, damit es diesen Beruf geben kann. Ich spreche hier nicht vom klassischen Hobbyblogger – für viele ist das der Beginn einer späteren Berufswahl. Ich spreche hier vom Beruf Blogger. Hauptberuf. Kein Plan B.

Das Ziel, vom Blog leben zu können, erfüllt sich für die Wenigsten …

Blogger sind für ihre Leser da, schaffen Mehrwert und das (meist) kostenlos. Dabei entstehen Kosten, wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Dass man selbst als CEO dieses Unternehmens natürlich der/die Letzte ist, der/die bezahlt wird, ist klar. Denn als CEO des eigenen Blogs, fließt erstmal alles in den Aufbau, die technischen Voraussetzungen, Weiterbildung uvm, bevor man sich selbst „Lohn“ auszahlt. Das ist Ehrensache und notwendig. Und diese Kosten müssen Blogger, wie jeder andere Unternehmer auch, decken.

Das Ziel, vom Blog leben zu können, erfüllt sich für die Wenigsten, denn in Wahrheit braucht es viel Zeit bevor ein Blog zum Hauptberuf werden kann. Und wer „nur“ nebenberuflich bloggt, macht dafür die Nacht zum Tag, arbeitet dann, wenn andere Feierabend haben. Aber zurück zu den vermeintlich geschenkten Hotelaufenthalten, dem gratis Parfum und all den anderen „tollen“ Benefits, die man als Influencer so genießt. Vorab gleich mal eines: Ja, als Blogger bzw. Influencer bekommt man Firmenanfragen. Sehr viele sogar. Sehr viele davon sind Spam oder auch Massenausschreibungen. Einige davon sind spannend. Wenige wirklich interessant. „Dürfen wir dir Produkt xy zuschicken? Einfach so, wir wollen nix als Gegenleistung dafür.“ Passiert allerdings eher selten. Nicht selten kommt vor „Wir würden dir gerne Produkt xy zuschicken und im Gegenzug erwarten wir uns von dir 1 Blogpost, alle Rechte an deinen hochauflösenden Bildern, 2 Instagram-Postings, Stories und wenn möglich noch Einbeziehung deiner anderen Kanäle. Könntest du dir das vorstellen? Ach ja und ein Folge-Blogpost wäre auch super. Wenn du bitte dabei darauf achten könntest, dass du genau so … in die Kamera lächelst, das Produkt deutlich positionierst und möglichst oft auf das Produkt im Text verweist, das wäre super. Alles Liebe XY“. Okaaaay. Da ich lange Zeit im Marketing genauer gesagt in der PR-  und Werbebranche gearbeitet habe, weiß ich, was z.B. eine A4 Seite Werbung in einem Magazin kostet. Das kann auch jeder selbst nachsehen, denn die meisten Medien haben ihre Anzeigenpreise auch öffentlich auf den Verlagsseiten aufliegen. Viele wird es überraschen, aber als Blogger hat man – je nach Bloggröße – teilweise genau so große oder größere Reichweiten, als manche Zeitschriften. Trotzdem bieten einige Unternehmen für die Leistung eines Bloggers keine Bezahlung an sondern „nur“ ein Produkt. Ist doch toll! Gratisprodukte, spitze! Dass man als Blogger viele Stunden an so einer Kooperation arbeitet, alleine Bildrechte von Fotografen in der klassischen Werbung viele tausend Euro kosten können und ein Unternehmen von einem Blogger ein totales Marketing-Gesamtpaket als Leistung bekommt, ist vielen nicht klar. Es ist auch meiner Meinung nach nicht notwendig, das meinen Lesern unter die Nase zu reiben, denn ich schreibe meinen Blog wirklich wahnsinnig gerne und stecke ebenso gerne mein Herzblut rein. Vielleicht auch deshalb, weil das alles hier als reines Hobby angefangen hat. Zudem gibt es Gott sei Dank mittlerweile auch in Deutschland und Österreich immer mehr Firmen, die den Wert der Blogger als Kooperationspartner erkennen und fair bewerten. Warum erzähle ich euch dann überhaupt hier was von Bloggerhonoraren und Gratisgeschenken? Eben darum. Weil es mir wichtig ist, auch mal die andere Seite aufzuzeigen. Nicht weil ich mich über irgendetwas beschweren möchte, sondern weil manche ein glorifiziertes Bild vom Influencer haben. Ein Wochenende in einem Familienhotel ist wirklich toll. Dafür muss man auch dankbar sein. Es ist aber auch ein Arbeitswochenende, denn Pressereise heißt auch: tausende Fotos knipsen, nachbearbeiten und während des Aufenthalts bereits am Blogbeitrag arbeiten. Von Nachbearbeitung, Cross-Media-Marketing, SEO und all den anderen Dingen, die an einem einzelnen Kooperations-Post hängen, will ich euch jetzt aber nicht vollquatschen. Das würde auch den Rahmen sprengen.

Auch Foodblogger essen ungestylte Gerichte und schieben sich nicht täglich perfekt gefächerte Avocadotoasts rein

Zurück zur schönen heilen Social Media Welt. Wie viele „fails“ hinter dem finalen Instagram Posting stecken? Manchmal seeeehr viele. Und ja. Kaffee sieht wirklich oft schöner aus, wenn man ihn auf Instagram sieht. Auch die Menschen sehen in dieser App fröhlicher, hübscher, glücklicher, schlanker, fitter aus als „Normalos“. Aber soll ich euch mal was verraten? Die sind auch Normalos. Mit guten Bildbearbeitungsprogrammen, einem guten Auge für Positionierung und Fotografie. Das ist auch schon alles. Denn am Morgen nach dem Aufstehen sieht kein Mensch (mal abgesehen von Cindy Crawford vielleicht) aus, wie eine Supermodelmama. Auch Influencer wachen morgens mit zerzaustem Haar, verknittertem Gesicht und Ringen unter den Augen auf. Auch Mamablogger haben tobende Kinder, unfotogene Wäscheständer und müssen ihr Klo putzen, wie jeder andere „Normalo“. Auch Foodblogger essen ungestylte Gerichte, kochen nicht immer À la Carte und schieben sich nicht täglich 10 perfekt gefächerte Avocadotoasts rein. Das echte Leben ist nicht gestylt, geschönt und bearbeitet. Natürlich nicht. Aber wie viele andere auch, mag ich persönlich schöne Fotos und finde den Avo-Toast ansprechender als das Käsebrot.

Portrait im Spiegel, creative mirror image

Aber wie schön ist sie denn nun wirklich diese schöne heile Social Media Welt? Die Wahrheit? Liegt irgendwo zwischen perfekt und unperfekt. Als Mutter zweier Kinder und Bloggerin sind mir einige Dinge sehr wichtig: zum Beispiel die Privatsphäre meiner Familie. Was ich auf dem Blog und auf meinen Social Media Plattormen teile sind Ausschnitte aus unserem Leben, meine Arbeit, Dinge, die mich bewegen. All das teile ich gerne mit meiner Community und meiner Leserschaft. Es ist die Leidenschaft, das Feuer fürs Bloggen, fürs Kreieren, fürs Schaffen von Mehrwert für EUCH, meine LeserInnen. Diese Leidenschaft treibt mich als Bloggerin jeden Tag an, motiviert mich bis nach Mitternacht zu schreiben, zu planen, mich mich den technischen Aspekten auseinanderzusetzen, zu lernen, an mir selbst zu arbeiten, so lange zu feilen, bis es für mich perfekt ist und ich 110 % gegeben habe. Das ist echt. Das passiert im Hintergrund. Hinterm Spiegelselfie, hinterm Avocadotoast, hinterm Kaffee mit Schaumkrone. Schattenseiten, Selbstzweifel und Selbstkritik gehören da genauso dazu wie verpatzte Rezepte, Fotos, die einfach nicht hinhauen wollen und der ständige Spagat zwischen Job und Mamasein. Das Gefühl, als wäre man Teilzeitmama, wenn nach Job 1 zu Hause noch Job 2 (Haushalt) und Job 3 (Blog) warten, kenne ich nur zu gut. Wie oft habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich fürchte, mich zu wenig mit meinen Kindern zu beschäftigen. Zum Glück habe ich dann Herrn bunt, der mir den Rücken stärkt, mir auch mal die Kinder abnimmt, wenn Deadlines warten, mich unterstützt und motiviert, wenn Selbstzweifel wieder mal Überhand nehmen. Das Leben als Blogger & Influencer ist nicht so glamourös, wie viele denken. Hinter der schönen heilen Social Media Welt steckt immer ein Mensch, der vermutlich dieselben Sorgen, Ängste und Zweifel hat, wie seine Leser, auch wenn man diese Seite nicht immer sieht. Trotzdem liebe ich das Bloggen. Mein Blog ist für mich so viel mehr als kreatives Outlet. Es ist der Kontakt zu EUCH: einer ganz wunderbaren Leserschaft, der Austausch in einer Community wie Instagram, der für ich das Bloggen zu etwas ganz Besonderem macht. Jeden Tag, jede Nacht(-schicht), in guten wie in schlechten Zeiten und dafür bin ich dankbar. Realitäts-Check E N D E .

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Blick hinter die Bloggerkulissen

 

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