Beruf Blogger: Meine Tipps aus 11 Jahren Blog Erfahrung

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Heute gibt es hier auf dem Blog mal einen Beitrag mit Seltenheitswert. Behind the Scenes über das Bloggerleben und die Antwort auf die Frage, wie alles anfing, meine Learnings und Tipps aus 11 Jahren Blog Erfahrung. Denn jetzt 11 Jahre, 2 Online Unternehmen und eine ordentliche Lernkurve später, bin ich angekommen in meiner beruflichen Freiheit, meiner Unabhängigkeit und meinem Traumberuf. Fertig? Niemals! Aber ein wenig weiser.

Was würde ich heute anders machen? Kann man vom Bloggen leben? Wie sieht eigentlich so ein Blogger Arbeitstag aus? Typische Fragen, die mir oft gestellt werden, wenn ich erzähle, was ich beruflich mache. Dabei ist der Begriff Bloggerin als Berufsbezeichnung wohl mittlerweile in meinem Fall eher ein Symbolischer, denn er wird meinem Job Profil nicht ganz gerecht. Heute plaudere ich ein wenig aus dem Nähkästchen (achtung: Insider) und erzähle euch, wie alles anfing und was ich jemandem raten würde, der zu bloggen beginnen möchte.

Beruf Blogger und wie alles begann

Mit dem Bloggen fing alles an vor 11 Jahren. Sehr klassisch und ziemlich typisch für viele Kolleginnen, würde ich sagen: frisch gebackene Mama mit einem (damals) ziemlich trendenden Hobby und eine unbändige Lust zu Schreiben und zu fotografieren im Gepäck. Neugierig, wahnsinnig zögerlich und doch im tiefsten Bauchgefühl sicher, dass das genau das Richtige für mich ist. Bloggen war vor 11 Jahren nicht mehr neu, aber auch nicht wirklich ein alter Hut. Es war die Zeit von Dawanda Success Stories, nähbegeisterten Selbermacher:innen und Blogs, die im Zeitraffer aus der Erde schossen. In gewisser Weise war das Bloggen damals ein bisschen wie die Entdeckung eines unbekannten Landes: Neu, aufregened, voller Überraschungen.

Damals habe ich viel genäht, ein Hobby zum Ausgleich neben der neuen Aufgabe als Mutter. Aus dem Hobby wurde schnell mehr – ich begann meine kleinen Werke in lokalen Läden bzw. auf Märkten zu verkaufen, eröffnete meinen eigenen etsy Shop. Mein Blog war dabei im ursprünglichsten Sinne zunächst ein Web-Log, ein Tagebuch, indem ich bald nicht mehr nur random meine Gedanken teilte. DIY Anleitungen, Rezepte, Tipps – ich wollte eigentlich von Anfang an mit meiner Arbeit vor allem auch helfen und Mehrwert bieten. Vom Beruf Blogger war ich aber noch weit entfernt.

Während ich mich tagsüber meinen Nähprojekten widmete, war ich abends und nachts neben dem Stillen, damit beschäftigt, zu lernen. Wie geht das mit der Technik? Was sind bitte Plugins und welche brauche ich? Wie verdammt nochmal schaffe ich es, mein Logo dahin zu bekommen, wo ich es will? Als absolute Technik-Anfängerin war das ein harter Weg für mich. Von einem Developer, einem IT-Menschen an meiner Seite (den ich heute nicht mehr missen möchte), wagte ich gar nicht zu träumen. Bestimmt viel zu teuer, das schaff ich allein. Allein – überhaupt so ein Wort, dass meine ersten Bloggerjahre sehr gut beschreibt. Warum das auf Dauer aber kein guter Begleiter ist, dazu komme ich gleich noch. Die Karenzzeit (Elternzeit) war hier der beste Zeitpunkt, um mit meinem Business zu starten, auch wenn ich es anfangs gar nicht als Business wahrgenommen hatte bzw. es mir nicht zugetraut hatte.

Jedenfalls war ich anfangs vor allem eines: Feuer und Flamme, fest entschlossen, mit meinen Produkten erfolgreich zu werden. Ich hatte immer das Gefühl, dass das hier für mich the place to be ist. Mir war nur damals noch nicht klar, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Für den Sprung in die Vollselbstständigkeit hat mein Mut damals aber nicht gereicht – ich blieb im Angestelltenverhältnis.

Angestellt – Selbstständig – beides?

Time Jump ein paar Jahre später. Ich war zweifache Mama und mir ist das widerfahren, was leider so viele Eltern, vor allem Mütter erleben: Mein Arbeitgeber wollte mich plötzlich nicht mehr, selbst wenn er mich per Gesetz zu einem minimalen Stundensatz wieder einstellen musste, die Realität zeichnete ein klares Bild. Mobbing, beim Wiedereinstieg noch nicht mal ein eigener Arbeitsplatz, die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Traurig fand ich vor allem, den extrem ausgeprägten Konkurrenzkampf unter manchen Frauen. Ich war angestellt und unglücklich. Abgesichert und unerfüllt. Zum Glück fand ich damals eine wunderbare Aufgabe bei einer lieben befreundeten Mama, die ihr eigenes Geschäft eröffnet hatte. Eine Chance, für die ich wirklich aufrichtig dankbar war, denn es war ein sehr familienfreundlicher Job, ein spannendes Umfeld und wieder ein neues Abenteuer. Nebenbei konnte ich mich meiner Leidenschaft dem Bloggen widmen und verkaufte meine Nähwerke im Laden meiner Freundin. Es war eine tolle Zeit, in der ich wahnsinnig viel gelernt habe. Ich konnte meine Kreativität einbringen, an der Entwicklung des Ladenkonzeptes und im Marketing mitgestalten. Und dann? Dann kam Corona. Diese Umbruchszeit war für viele ein Wendepunkt. So auch für mich.

Mein einstiges Nähhobby-Minibusiness hatte sich über die Jahre völlig verändert bzw. weiterentwickelt. Meine Liebe zu Interior und Deko immer größer, was sich auch in meiner Arbeit widerspiegelte. Nach einem Blog Relaunch legte ich mein Nähgewerbe nieder. Nicht zuletzt durch Instagram wurden auch die Kooperationsanfragen, Projekte und Aufträge immer mehr, sodass ich irgendwann an meine Belastungsgrenze kam. Ein Teilzeitjob PLUS Vollzeit-Selbstständigkeit – das war einfach nicht mehr machbar. Ständige Erschöpfung und innere Zerrissenheit, keine gute Kombination. Was folgte, war keine leichte Entscheidung: ich gab meine Festanstellung auf und wagte den Sprung in die Vollselbstständigkeit. Beruflich und für mich persönlich die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Meine Learnings: Das würde ich Blogger:innen raten

In den letzten Jahren habe ich definitiv sehr viel gelernt. Ich habe mich nicht nur beruflich sondern auch persönlich weiterentwickelt. Erfahrungen die mir keiner mehr nehmen kann und die ich sehr gerne weitergebe. Was würde ich also jemandem raten, die/der ein Blog startet oder sein Blog weiterentwickeln möchte? Hier kommen meine Tipps und Learnings aus 11 Jahren Bloggererfahrung. Was ist am Beruf Blogger wirklich wichtig bzw. was sind meine wertvollsten Erfahrungen?

1. Hauptfokus: Dein Blog ist deine Basis

Instagram hat mir bisher viele wundervolle Möglichkeiten eröffnet. Apps sind eine großartige Sache, davon bin ich überzeugt. Sie generieren Bewegung, treiben uns an, Neues zu probieren. Dennoch sind Algorithmen unvorhersehbar und keiner weiß, wie sich Instagram & Co. weiterentwickeln werden. Mir war immer schon wichtig, dass mein Blog meine Basis ist. Darauf liegt immer mein Hauptfokus, denn das ist lange gewachsen, meine Leserschaft hat sich mit mir entwickelt und ist mir treu geblieben (ein großes DANKE dafür an dieser Stelle).

2. Hol dir Unterstützung an den richtigen Stellen

Eines meiner größten Learnings aus den letzten 11 Jahren Beruf Blogger war definitiv, Hilfe anzunehmen. Ich bin von Natur aus eher der Typ „Mach ich selbst“, „Kann ich alleine“. Ungeduldig und perfektionistisch, absoluter Planungs- und Organisationsmonk – eine schwierige Ausgangssituation für jemanden, der lernen soll, Aufgaben zu delegieren. ABER: Kein Mensch kann auf Dauer alles alleine schaffen, das ist ungesund und sinnbefreit. Wenn ich gelernt habe, zu delegieren, Hilfe und Unterstützung anzunehmen, dann schafft das bestimmt jeder Mensch. Ein gutes Team ist Gold wert und selbst wenn es anfangs aus verschiedenen Gründen vielleicht noch nicht möglich ist, denke daran, was du dir an Zeit und Nerven sparen kannst, wenn du gewisse Aufgaben abgibst.

3. Learn to say no

Es ist unabdingbar für das persönliche und berufliche Wohl, die eigenen Grenzen zu kennen, bewusst wahrzunehmen und zu artikulieren. Selfcare, so ausgelutscht dieser Begriff ist, hat er dennoch heute mehr Wertigkeit denn je. Lerne nein zu sagen. Glaub mir, das ist ein unfassbar wertvoller Mindset Shift! Dieses Wissen, nicht alles zu müssen, wird dich weiterbringen, wenn du es verinnerlichst. Ich musste das sehr mühsam über die Jahre lernen und habe auf dem Weg dahin sehr viel Lebenszeit und Nerven gelassen.

4. Vergleich macht mürbe

Bleib dir selbst treu und versuche nicht, jemand anderes zu sein. Ein scheinbar banaler Tipp, aber so so wichtig und wertvoll. Klar, es ist verlockend, links und rechts zu schauen, was die anderen machen. Dagegen ist grundsätzlich auch gar nichts einzuwenden. Denn man kann von anderen immer lernen, davon bin ich überzeugt. Wenn du dich aber ständig mit anderen vergleichst, grübelst und dir das Hirn zermarterst, warum bei dir XY nicht funktioniert, wenn es doch bei Susi Sonnenschein klappt – kannst du nur verlieren. Der ständige Verlgeich mit anderen macht einfach mürbe. Befrei dich davon und bleib dir selbst treu. Dein Weg ist nunmal dein Weg. Entwickle deine eigene Brand und konzentriere deinen Fokus auf das, was du richtig gut kannst, nicht was du meinst können zu müssen.

5. Mehrere Säulen schaffen Sicherheit

Wie heißt es so schön? Man soll nicht alle Eier in ein Körbchen legen. Auf das Onlinebusiness trifft das meiner Meinung nach auch zu 100% zu. Ich habe es immer so gehalten, dass ich mein Business breiter aufgestellt habe und bin damit sehr gut gefahren. Ich bin nicht nur von Beruf Blogger sondern zu meinem Unternehmenskonzept gehört vieles mehr. Bricht eine Einkommensquelle weg, bleibt noch immer eine andere übrig. Risiko und Mut gehören zwar unabdingbar zur Selbstständigkeit, doch das lässt sich auch mit einem Mindestmaß an Sicherheit kombinieren. Dass aus dem Minimum ein Grundrauschen wird und aus dem Grundrauschen eine verlässliche Abischerung, ist nichts, was über Nacht passiert. Das möchte ich wirklich in aller Deutlichkeit betonen. Viele Teenies meinen, der schnelle TikTok oder Instagram Erfolg verschafft Millionen und somit ist „Influencer“ einer der beliebtesten Berufswünsche geworden. Dass dahinter viel mehr steckt und sich hinter langfristigem Erfolg einfach auch langweilige Dinge wie Papierkram, Organisation oder Steuer verbergen, ist vielen nicht bewusst. Wenn ihr möchtet, kann ich aber gerne auf den Job ansich und einen typischen Tag in meinem Leben gerne mal gesondert eingehen, das würde hier den Rahmen sprengen. Doch ich denke, dass es gerade für Eltern auch spannend ist, ein bisschen über das Business zu erfahren, dem möglicherweise die eigenen Kinder nacheifern.

6. Zusammen ist man weniger allein

Einer meiner wertvollsten Lerneffekte ist ganz eng an Punkt 2 angeknüpft. Doch hier geht es noch ein wenig weiter und zwar in die gesamtheitliche Richtung. Zusammen ist man nämlich wirklich weniger allein und ich bin überzeugt, dass ein wichtiger Erfolgsbooster ein gutes „Buddy System“ ist. Als Selbstständige ist man einfach oft Einzelkämpferin, macht alles mit sich selbst aus. Ich schätze es sehr, Kolleginnen zu haben, mit denen ich mich ganz offen austausche, Business Sparing Partner, Buddies und auch mal Kummerkästen – unterschätzt bitte niemals, wie wertvoll es ist, ein gutes Netzwerk an like minded people zu haben. Herausforderungen meistern aber auch Erfolge feiern, das ist einfach schöner, wenn man es teilen kann.

7. Investiere in dich

In das eigene Wissen und den eigenen Content zu investieren, bringt dich immer weiter! Sei es dir selbst wert, Geld für deine Weiterbildung und Weiterentwicklung auszugeben. Ein Unternehmen zu führen, heißt nicht nur, Umsatz zu generieren, sondern auch zu wissen, wo Investitionen sinnvoll und wichtig sind. Das ist ganz unabhängig davon, ob dein Beruf Blogger ist oder nicht.

Das mit dem Erfolg, das war kein Overnight Success – das wäre absoluter Blödsinn, so etwas zu behaupten. Harte Arbeit. Ein Marathon. Selbstständigkeit heißt immer da sein. Selbst verantwortlich sein. Das schreckt viele ab und es ist tatsächlich auch nicht für jeden Menschen der richtige Weg, das muss klar sein. Dass man sich aber nicht komplett aufopfern, nicht im Burnout enden muss und sehr wohl erfolgreich UND frei sein kann, das weiß ich heute. Und ich weiß auch, wie das geht mit der Freiheit. Wenn du mehr hierzu wissen möchtest: Gemeinsam mit Daniela von diekleinebotin.at führe ich mittlerweile mehrere Unternehmen, betreuen diverse Kund:innen und unter erfolgreichundfrei.com geben wir unseren Weg, unsere Erfahrung weiter an alle, die auch online erfolgreich und frei sein möchten.

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Lilly Koslowsky, Beruf Blogger

Wie sieht eigentlich so ein Tagesablauf mit Beruf Blogger aus? Was macht ein Content Creator überhaupt außer Kaffee trinken und das Smartphone in Händen halten? Wenn ihr mögt, kann ich gerne mal einen eigenen Beitrag à la „A day in the life of…“ schreiben. Lasst mich gerne wissen, wenn euch das interessiert.

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3 Comments

  • Reply
    Sebastian
    26. August 2021 at 18:15

    Danke für die tollen Tipps, und schön das du damals den Weg gegangen bist. Weiter so 👍🏻

  • Reply
    D. Cresta
    30. September 2021 at 08:15

    Jeden Tag entstehen neue Blogs. Ich kenne jedoch mehrere Leute, die mit Bloggen angefangen haben und dann innerhalb zweer Jahre den Bettel hingeschmissen haben. Es ist offenbar nicht so einfach, wie viele glauben.

    LG Daniela Cresta

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