Frühstücksglück aus dem Salzkammergut: Luftige Ofennudeln mit Zimtbutter

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Heute habe ich eine echte Kindheitserinnerung im Gepäck: die herrlich luftigen Ofennudeln (von meiner Mama) mit Zimtbutter (von mir). Zum Frühstück, zum Kaffee oder zwischendurch einfach eine Sensation und wirklich nicht schwer zu machen. Meine Ofennudeln mit Zimtbutter kannst du im Handumdrehen nachbacken!

Kindheitserinnerungen und prominente Gäste

Letzten Sonntag stand ein Stückchen Kindheitserinnerung auf unserem Frühstückstisch. Mamas – oder besser gesagt – eigentlich Omas „Ofennudeln“ sind in unserer Familie seit jeher ein Stück Liebe, die durch den Magen geht. Meine Großeltern lebten auf einem relativ großen Bauernhof im Herzen des Salzkammerguts und ich kann mich an jeden Raum, jeden Winkel dieses alten Hauses erinnern. Besonders lebhaft in Erinnerung habe ich die alte Bauernstube. Der Holzofen, die einfache Spüle, der riesige Holztisch, der obligatorische bestickte Wandbehang mit kunstvollem, Kreuzstich verziert. Das Kreuz in der Tischecke. Meine Großeltern waren extrem gläubige Menschen, einfache Leute, für die Familie das Wichtigste war. Einen Platz an ihrem Tisch hatten meine Großeltern immer frei für Thomas Bernhard. Der Schriftsteller bewohnte unter anderem ein Haus auf einem Hügel in direkter Nachbarschaft und er mochte es, still dazusitzen, zuzuhören und die Menschen zu beobachten. Mir wurde erzählt, dass ich als kleines Kind auf seinem Schoß saß – daran kann ich mich freilich nicht mehr erinnern, aber möglicherweise mag ich deshalb Bernhards Werke so gerne. Wer weiß. In dieser Stube also, in der so bescheide Leute und so prominente, wenngleich eigentlich ganz unaufgeregte Menschen zusammentrafen, in dieser Stube roch es meist nach einer Mischung aus Butterschmalz, Hefe und Zucker. Ich erinnere mich an die für mich damals scheinbar riesigen, von der harten Arbeit gezeichneten Hände meiner Großmutter, die mit Bedacht Teig in Form brachten und sorgfältig in ein „Reindl“* schlichteten. Der Holz befeuerte Ofen brachte genug Wärme, um den Teig aufgehen zu lassen, überall roch es herrlich. Omas „Ofennudeln“ sind ein Stück Kindheit für mich, denn auch meine Mama hat sie oft gebacken und tut das heute noch. Diese Erinnerungen werden wohl immer bei mir bleiben, denn ich finde, Gerüche, Geschmacksmomente haben die Angewohnheit sich ganz stark einzuprägen, zu bleiben. Wunderschön, wenn auch meine Kinder irgendwann später mal mit solchen Geschmackserinnerungen im Gepäck wieder nach Hause kommen und ihnen der Gedanke daran ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Das Rezept für die Ofennudeln habe ich euch heute mitgebracht – natürlich habe ich meine Mama vorher um Erlaubnis gefragt, denn bei Familienrezepten geht man lieber auf Nummer sicher nicht wahr? Meine Interpretation des Originalrezepts: Ich habe etwas Vanille ergänzt, mit Zucker nicht gegeizt und als kleine Beigabe eine schnelle Zimtbutter angerührt.

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Ofennudeln mit Zimtbutter

Ofennudeln mit Zimtbutter

Zutaten
  

  • 400 g Mehl
  • 1 Pkg. Trockenhefe
  • 1 Prise Vanille gerieben oder Mark einer Vanilleschote
  • 1 TL Salz
  • 3 Dotter zimmerwarm
  • 6 dag Butter, geschmolzen
  • 3,5-7 dag Staubzucker
  • 1/4 L Milch lauwarm
  • etwas geschmolzene Butter

Für die Zimtbutter

  • 4 EL Butter zimmerwarm
  • 1 – 1,5 TL Zimt gemahlen
  • 1 Prise Prise Salz
  • 3-4 EL Staubzucker oder nach Geschmack
  • 1 Prise Vanillemark

Anleitungen
 

  • In einer großen Schüssel Mehl mit Salz, Hefe und Zucker und Vanille vermischen.
  • Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen und die Milch darauf gießen.
  • In der Mehl Mischung eine kleine Mulde formen und die Butter-Milch-Mischung hineingießen, die Dotter vorsichtig zugeben und alles zu einem glatten Teig verkneten.
  • Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort ca. 1 h gehen lassen. Er soll sein Volumen verdoppeln.
  • Aus dem Teig portionsweise Striezel formen in der Breite eines "Reindls" oder der Auflaufform, die verwendet wird. Die Teigstücke werden in der geschmolzenen Butter kurz gewälzt und dann dicht aneinander in die Form geschlichtet. Dabei dürfen sie ruhig etwas zusammengeschoben werden.
  • Zugedeckt nochmal ca. 20 Minuten gehen lassen.
  • Eventuell noch etwas mit zerlassener Butter oder Milch einpinseln und bei 180 Grad O-U-Hitze goldbraun backen. Die Ofennudeln sind fertig, wenn sie schön aufgegangen sind und leicht gebräunt. Wer sie gerne etwas dunkler mag, lässt sie einfach länger im Ofen.

Für die Zimtbutter

  • Alle Zutaten gut miteinander verrühren und nach Geschmack süßen.
  • Die Zimtbutter hält mehrere Tage in einem verschlossenen Behälter.
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Traditionell werden die Ofennudeln übrigens mit Butter und Ribiselmarmelade (oder Himbeere) gegessen aus dem einfachen Grund, weil Ribisel – sprich Johannisbeeren – reichlich im Garten vorhanden waren und selbst gemachte Marmelade somit kaum was kostete. Die Ofennudeln schmecken in jedem Fall köstlich – egal ob mit Marmelade, Honig oder eben Zimtbutter. Nur bei der Version meiner Kinder – Nuss-Nougatcreme – würde Oma vermutlich die Nase rümpfen und es als Frevel bezeichnen. Liebe Oma, danke für diese Kindheitserinnerung, für die Küchendüfte, für das nervöse Tippen mit dem Finger, das ich von dir geerbt habe.

Gibt es bei euch auch Rezepte oder Gerichte, die ihr sofort mit eurer Kindheit verbindet?

*Reindl = österr./Salzkammergut: Auflaufform – häufig aus Emaille

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